Geschichte der Secker
Jede Vervollständigung ist erwünscht

(Originaltext geschrieben ca. 1940-1943)

 

SECKER

 

Die ursprüngliche Heimat des Geschlechts war Friesland mit den benachbarten Küstengebieten. Über den Namen gibt es zwei Ableitungsmöglichkeiten:

a)   der Name lautete zuerst Segger und ist von dem Wort Segge = Schilf (carex) abzuleiten

b)   die Herkunft des Namens ist von den Worten Segk oder Sek aus dem altfriesischen und bedeutete Schwert; die Secker = die Schwertträger.

 

Die Auffassung b) wird als die Richtige betrachtet

 

Während sich an der Wasserkante die Schreibweise des Sippennamens bis heute in den Familiennamen Segger und von Seggern unverändert erhalten hat, haben sich jedoch die angelsächsischen Abzweigungen wie die im Allgäu, in Würtenberg, in den Rheinlanden und im Sudetengebiet ansässigen Linien schon seit der Reformationszeit bzw. seit dem Dreißigjährigem Krieg Secker geschrieben. Diese übereinstimmende Entwicklung des Namens in England und in Deutschland dürfte sich aus der abseits von der friesischen Urheimat vielfach geübten härteren Aussprache erklären.

 

1. Der angelsächsische Stamm

 

Charles Wareing Bardslen folgert in seinem Dictionary of english and welsh Surnames (London 1901), dass der von Gilbert Segger in Devon 1273 noch in altfriesischer Schreibform gebrauchte Namen , der bereits bei dem Freeman of York John L e  S e k k e r 1336 abgewandelt erscheint und dann bis Mitte des 16. Jahrhunderts (z.B. Thomas Sekker, Grundbesitzer in G. Crent, Norfolk, (1550) einfach Sekker und schließlich von da bis zur Gegenwart in England nie anders als Secker geschrieben wird: „ Secker is a sharpend pronunciation of Segger“ – Diese englische Familie hat unter anderem William Secker hervorgebracht, der 1660 in London sein heute noch berühmtes Buch“ The Nonsuch Professor“ veröffentlichte. Ferner Dr. Thomas Secker, der von 1758 bis 1768 Lord Erzbischof von Canterbury war. Im ersten Weltkrieg hat ein englischer General Secker britische Truppen befehligt, und von den heute noch in London lebenden Angehörigen hat sich Martin Secker als Verleger (Secker und Warburg) einen Namen gemacht.

 

2. Der Allgäuer Stamm

 

Die Annahme dass die Allgäuer Segger ebenfalls aus dem Friesischen kamen stützt sich außer auf die alten Überlieferungen auf folgende beide Umstände: Einerseits deuten auf die frühe Ansiedlung des Allgäu durch Friesen alte, noch bestehende Ortsnamen wie Friesenhofen, Friesenberg usw.; von Friesenried heißt es zwar es sei aus Friedrichsried entstanden, doch ist immerhin bemerkenswert, dass gerade in der Umgebung von Friesenried Hausgrundrisse aufgedeckt und Funde von Münzen gemacht worden sind, wie sie nur bei den Wikingern gebräuchlich waren.

Und andererseits führten die Segger im Allgäu schon im Mittelalter das Wappen mit der Schiffskogge, also ein Bild, für das diese meerferne Landschaft kaum einen Beweggrund geboten haben würde.

 

Im Jahre 1175 weist das Auftreten des einem welsischen Dienstadelsgeschlecht zugehörenden Gerboldus de Secke erstmalig auf den Landsitz Seck (ursprünglich Segg, das heutige Dorf Seeg bei Füssen). Und um die Mitte des 13. Jahrhunderts beginnt mit dem Augsburger Domherrn Konrad von Seggen eine Reihe von Trägern dieses Namens im Allgäu. Es folgen in den Urkunden: Konrad von Segge 1264, Bartolin von Segge1292, Heinrich von Segge 1312 und ein gleichnamiger1327 als adeliger Dienstmanne der Reichsministerialen von Schwangau; dann wieder ein Konrad von Seigge 1337, der 1345 als Bürger von Kaufbeuren nochmals erwähnt wird, und im gleichen Jahr erscheinen in einer Kloster Stamser „Haug und Dietrich, die Segger von Segg. Sie sind die letzten, die mit der Adels- bzw. der Herkunftsbezeichnung genannt werden. Der nächste ist Cunrad Segger, 1379 Bürger von Füssen. Von diesem Zeitpunkt an ist jenes Stadtgeschlecht der Füssener Ratsherren Segger, die oftmals als Siegelbittzeugen Bürgen und und Tädinger vorkommen in ununterbrochener Folge nachgewiesen, bis sie gegen Ende des 16. Jahrhundert das Allgäu verließen. - Im Jahre 1386 hat als Füssener Bürger „ der jung Segger sin hus umb halbs gesetzt“, das bedeutet, zur gleichen Zeit in Füssen geheiratet. Zwischen 1385 und 1405 begegnet uns häufig (sein Bruder?) Jost Segger aus Füssen, nachmals Bürger von Meran; er blieb in Tirol ohne Nachfahren. Dann folgen sich im Füssener Bürgerbuch “Hans Segger der alt“1402, 1407 und 1430 und „der jung Hans Segger“1407 und 1440; auf letzteren bezieht sich vielleicht auch die Münchener Archivurkunde, nach der sich ein Hans Segker 1398 zum Kriegsdienst bei den Herzögen von Bayern verpflichtete. Im Jahre 1451 fallen Burg und Dorf Hirschdorf als Erbe der Mannen von Hirschdorf an Peter Segger, Bürger von Kempten. In den Jahren 1494 und 1496 ist ein Andres Segger Bürger von Füssen; ihm folgt ebenda als Ratsherr 1509 und 1515 Peter Segger und dann wieder ein Andres Segger als Füssener Ratsherr 1516 und 1521. Dieser führte als Wappen die goldene Kogge im schwarzen Feld, wie Sie im Arlberger Bruderschaftsbuch des Bigil Raber von etwa 1522 ( Landesbibliothek Weimar) mit der Umschrift „Andres Segger“ verbürgt ist. (Abbild. 2). Da dieses Wappen ohne Helm und decke gezeichnet ist, bot das Siegel an der Urkunde des Hanns Segker vom 24. März 1514 im Wiener Staatsarchiv willkommenen Aufschluss: es zeigt die Kogge im Schild, darüber den bürgerlichen Stechhelm und als Helmzier den Schiffsmast mit dem geblähten Segel.

 

Über diesen Hans Segger bzw. Johann Segker ist außer einer großen Zahl von Urkunden auch ein ausgedehntes Schrifttum erhalten, dass zum Teil schon Hoheneckin seinem Werk über die löblichen Herrenstände Ob der Enns 1747 (Bd III, Seite 678 – 681) zusammengefasst hat. Dort heißt es von Hans Segger, er sei als der Erste aus Schwaben gekommen, wo die Segger „vor Jahren ihren adeligen Sitz Seck unweit Füssen gehabt“ hätten. Er habe das im Traungebiet gelegen Schloss Messenbach erworben. Im Jahre 1528 wurde er, zuvor Mautner in Gmunden, Kaiserlicher Hof-Kammer-Rat. Und in den Nachlassakten des Hans Segger`s Fidelkommiß (Ständisches Archiv Linz/Donau)wird eines Wappenbriefs Kaiser Maximilian 1. gedacht. Es kann sich nur um das bereicherte Wappen handeln, dass in einem Stich der Dürer-Schule mit der Unterschrift Johann Segker (Abbildg.3 siehe Original)

 Erhalten ist und so auch auf den Siegeln und Grabsteinen des von Ihm gegründeten österreichischem Astes wiederkehrt. Bei diesem Wappen ist die schwarze Grundfarbe des Andreas Segger-Wappens in eine blaue, der Stechhelm von 1514 in einen adeligen Spangenhelm geändert, und das Segel über der Krone, das silbern warund noch im Siebmacher von 1605 als weiß bezeichnet wird ist erst bei Hoheneck blau.Das Geschlecht der Segger von Messenbach starb 1617 mit Hans Christoph Segger, dem letzten Enkel des Hans, aus. Dagegen die alten Grundbesitzer und Stadtgeschlechter der Segger in Füssen, Kempten Kaufbeuren und Sonthofen pflanzten sich fort.

In Füssen wir 1522 der Tochtermann eines Jorg Seggers erwähnt; 1567 heiratet ebenda eine der Töchter des Peter Segger, und 1577 verkauft „Martin Segger zu Rued“,  Pfarrei Segg bei Füssen, seinen gesamten Landbesitz. Die verschiedenen ehedem zusammengehörigen Zweige verzogen sich teils nach Westen (Schwarzwald), vielleicht auch teils nach Osten (Sudetenland) und teils nach Norden (Maingebiet) Schon 1544 taucht ein Martin Seger (Segger) als Maler in der Würzburger Zunft auf; er hat von 1548 bis 1575 für die Bischöfe des Hochstifts Würzburg Bücher und Karten mit Bildern geschmückt und starb dort nach 1580. Würzburger Archivurkunden nennen weiter einen Sebastian Seger 1570 und 1592Daniel Seger 1575 und dessen Witwe 1614. Und im Taufregister des Würzburger Dompfarramts lässt Hieronymus Seger 1642 eine Tochter eintragen. Die Lücken während des Dreißigjährigen Krieges hat die Forschung noch nicht restlos geschlossen ( Hier Anmerkung des Autors: nein; Lücken inzwischen restlos erforscht) Die Grundlage aber für alle späteren von den verschiedenen Geschlechtern geführten Wappen bilden immer wieder die Kogge und das Segel. Nur war es ein Irrtum, wenn das Wappen des 1617 verstorbenen österreichischen Herrengeschlechts in gleicher oder verwechselbarer Form übernommen wurde, so, wenn nach dem Erscheinen des Buches von Hoheneck das würtembergische Geschlecht Seeger (früher Seger) vom Messenbacher Wappen die Krone und den Spangenhelm annahm oder gar heute noch von der alten Überlieferung einer Abstammung aus Österreich spricht, wie es in den Fußnoten, im 5. Bande des schwäbischen Geschlechterbuchs (1930) geschieht. Dennoch dürfen sich die württembergischen Seeger (und Freiherrn von Seeger), die sich ausnahmslos vordem Seger und ursprünglich Segger schrieben, dem allgäuer Stamm durchaus verbunden fühlen. Darum stellen wir voran: 

 

II a Die evangelisch württembergischen Zweige

 

Zu unterscheiden sind:

1. die genannten Seeger, die sich vom Schwarzwald und von Tübingen aus verbreitet haben und vom 16. jahrhundert bis in das 18. jahrhundert eine große Zahl von Webern und Tuchmachern hervorbrachten. Da sie sich in den bekannten früheren Fällen alle Seger schrieben (der Übergang vom einfachen zum doppelten „e“ dürfte sich aus der gedehnten württembergischen Mundart erklären!), und da in Kempten von 1526 bis 1608 ebenfalls ein ausgesprochenes Webergeschlecht der Schreibweise Seger nachgewiesen ist, darf angenommen werden, dass ein Teil jener Kemptener Sippe schon in der Reformationszeit und offenbar aus Glaubensgründen

das Allgäu verlassen und sich im westlichen Schwaben angesiedelt hat. Die Namensträger sind aus dem Kemptener Bürgerbuch(Verlag Dechelhäuser, Kempten 1940) ersichtlich.

 

2. die ebenfalls evangelischen Secker (Seckher) in Aidlingen in Württemberg, die von etwa 1560 bis heute ununterbrochen als Bauern in Aidlingen ansässig sind. In unmittelbarer Stammfolge stehen fest: Jakob Seckher *Aidlingen bei Nürtingen um 1560 gest. ebenda 1596, Michel Seckher , * Aidlingen 1592 ; Michael Seckher *Aidlingen 1624; Hans Seckher * Aidlingen 1663 gest. 1730; Martin Secker, Bauer * 1693 gest. 1753; Johann Martin Secker * 1. Bürgermeister,* Aidlingen 1766 gest. 1838, Johann Jakob Secker II.*Aidlingen 1790 gest. 1881; Jakob Secker *1817 gest. 1884; Johann Georg Secker * 1846 gest. gest. 1918; Ernst Gotthilf Secker, * 1888 gest. ?; Walter Secker, * 1916 als Pionieroffizier Teilnehmer am 2. Weltkrieg.         

 

II b Der katholische sudedetendeutsche Zweig

 

Diese Linie Secker (Seker) ebenfalls in langer Folge durchweg Bauern war von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Strzischowitz in Deutsch-Böhmen ansässig und beginnt mit dem um 1660 geborenen friedrich Secker. Auf Ihnen folgen in gerader Reihe Georg Secker, Bauer * Strzischowitz 1678, - Johann Secker, Bauer

* ebd.um 1700, Georg Secker, Bauer, * ebd. 1728, Anton Secker, Bauer, ebd. 1754 – 1818, - Josef Secker, Bauer, ebd. 1788 – 1857, - Josef Secker, ebd. 1825, - 1879, -

Josef Secker, * ebd. 1860, Josef Secker * Reichstadt 1888, - Dr. med. Josef Secker, * Brünn 1916, lebt als Arzt in Brünn. Von diesem Zweig ist nicht bekannt, dass er ein Wappen geführt hat.

 

II c Der katholisch turmainzische Zweig

 

Die lückenlose Stammreihe setzt ein mit dem um 1646 geborenen Heinrich Secker, dessen Ehefrau Gertrud in Marienborn bei Mainz gestorben ist.Seine Söhne Thomas und Johann Heinrich Secker sowohl wie auch sein Schwiegersohn Johann ernst Pfenninger waren alle samt Pfarrgutspächter im Mainzischen, sein Neffe Christoph Secker, Sohn des Meinulf Secker, war Pächter des Gutsbesitzes der Mainzer Domkirche. Diese ganze Sippe stand also nach dem Dreißigjährigem Kriege im landwirtschaftlichen Beruf, und zwar in enger Fühlung mit der Kirche. In gerader Linie bis zum Einsender folgen auf dem genannten Heinrich Secker:

Thomas Secker, Bürgermeister, Schöffe, Meierhofspächter des Stiftes St. Bistor bei Mainz, * 1669, gestorben „neunzigjährig“ 1759 in Marienborn, verheiratet 26.9.1696 mit Maria Elisabeth Werckmüller aus Eddersheim am Main (1678 – 1757); Matthias Secker, * Marienborn 1700, gest. Finthen 1762, verheiratet 1718 mit Anna Marta Prestel aus Gonsenheim (1698 – 1752); Joseph Secker, *Gonsenheim 1736, gest. Finthen 1794, verh. 4.6.1753 mit Maria Elisabeth Engel (1733 – 1781); Johann Secker, * Finthen 1773, gest. ebd. 1810, verh. 22.11.1795 mit Katharina Hofmann, (1773 - ....) ; Franz Secker, * Gonsenheim 1798, gest. ebd. 1868, verh. 15.7.1819 mit Katharina Werum aus Gonsenheim, (1793 – 1878); Friedrich Peter Secker, * Gonsenheim 1831, gest. ebd 1906, verh. 7.2.1858 mit Anna Maria Becker aus Gonsenheim (1838 – 1892); Franz Ludwig Secker, * Gonsenheim 1861, gest. ..?.,

verheiratet8.3.1886 mit Anna Lucia Wollstadt aus Finthen (1861 - ..?.); Dr. Hans Friedrich Secker, *Elberfeld 1888, gest. ..?. verh. 24.7.1940 mit Gerda Schröder *Rittergut Oberhoff, Kr. Schönberg (Meckl.) (1906 - ..?.); Thomas Secker, * Honnef, Rh. 2.2.1943

Als Bruder von Franz Secker (*1798) übersiedelte Ernst Secker(1803 – 1851) von Gonsenheim bei Mainz nach Offenbach am Main, von wo drei seiner Söhne, Franz, Michael und Engelbert nach Manila gingen und das Exporthaus „Secker & ca. Manila- Hamburg“ gründeten. Auf Franz den Älteren folgen in gerader Linie August Johann Secker ( 1834 – 1911), Johann Georg Secker (1863 bis 1931); dessen Söhne Dr. med. Gustav Secker (1893 - 1952), Augenarzt und Adolf Secker (1894 - ..?.) Orchesterdirigent am Reichssender Hamburg; andere Sprossen der Hamburger Linie leben in Australien. Als Sohn von Gustav Secker lebte auch Max-Heinz Engelbert Secker (1921 – 1981) in Hamburg, aus seine Ehe mit Alice Poloczek,  *1929 gingen drei Söhne Wolfgang *1953, Salzhausen, Rolf *1954, Bielefeld, Uwe *1957 und eine Tochter Eva Ingeborg *1960, Hamburg, hervor. Einzig von Uwe Secker gibt es einen Sohn: Mark.

 

Als Bruder von Friedrich Peter Secker (*1831) wanderte Jakob Secker um 1850 nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika aus, wo seine Nachkommen in den großen Städten des Ostens lebten

 

Als Bruder von Franz Ludwig Secker (*1861) ist Jakob Hermann Secker, Mainz-Mombach 1867, Architekt und Hauptmann d. B. in Hindelang im Allgäu ansässig geworden. Seine Söhne, Hermann Walter Secker, *Gonsenheim 1897, war im ersten Weltkrieg Fliegerleutnant und lebte in Cali, Kolumbien; Kurt Günther Secker, * Gonsenheim 1904, Dipl. Ing., Regierungsbaumeister, lebte in München als Brigadeführer. Als Vetter des letzteren lebte Fritz Secker, * Gonsenheim 1889, gest. ..?., als Verfasser von Büchern und Schriften über ostasiatische Wirtschaftspolitik, Jahrzehnte in Peking.

 

So haben sich also die Nachfahren jenes Heinrich Secker, der nach dem dreißigjährigen Kriege im kurmainzischem auftauchte soweit sie nicht in Hessen, am Rhein und in Hamburg sitzen in sämtlichen Erdteilen außer Afrika niedergelassen, und die Wappenkogge hat einen tieferen Sinn erhalten.

 

Verfasser Franz Ludwig Secker, Bonn am Rhein, Venusberg

Wolfgang Secker, Salzhausen, Lüneburger Heide

 

.